~Rückblick Schatten (1): Erster Entwurf~

Wie versprochen, bekommt ihr hier einen Rückblick über meinen ersten beendeten „Ersten Entwurf“.
Wie wahrscheinlich viele Schriftsteller unserer Generation, wollte ich zwar schon seit ich klein war Schriftstellerin werden, habe aber selbst nie daran geglaubt, dass ich es schaffen könnte. Schreiben will doch jeder und warum sollte ausgerechnet ich Erfolg damit haben? Positives Feedback bekam ich von den Lehrern für Schulaufgaben, aber das war es auch schon. Diese Geschichten zeigte ich aber schon seit ich 12 war nicht mehr meiner Familie, meine Gedichte behielt ich ganz für mich. Wie sollte man da auch ein Selbstbewusstsein für das Schreiben entwickeln?
Das änderte sich erst, als ich im Verlauf meines Studiums ein Schreibseminar belegte. Es hat wahnsinnigen Spaß gemacht, spontan kreativ zu sein, Texte zu erschaffen und sich mit anderen auszutauschen. Und seit dem habe ich noch vier weitere Male daran teilgenommen, obwohl ich meine Note schon nach dem ersten Mal hatte. Dieses Schreibseminar hat alles geändert. Ich bekam positives Feedback von Kommilitonen und meiner Dozentin, die auch Lektorin ist und das beflügelte mich wieder. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Rückmeldung zu meiner Textmappe, in der ich eine 1,0 bekam und danach tagelang ganz hibbelig vor Freude war. Meine Dozentin hatte meine Figuren gelobt und geschrieben, ich solle auf jeden Fall weiter schreiben.
Das ist nun drei Jahre her. Ab diesem Zeitpunkt begann ich Ideen, Szenen, Handlungsstränge, Figuren etc. aufzuschreiben, inzwischen habe ich über ein dutzend Notizbücher und fast zwei Dutzend größere Projektideen. Ich schrieb alles was mir einfiel – an allen Projekten, wann ich Lust hatte, besuchte weitere Male das Schreibseminar und übte so an Kurzgeschichten. Letztes Jahr im April habe ich dann endlich beschlossen, eines meiner Projekte zu einem kompletten Roman zu verarbeiten und mit dem ersten Entwurf anzufangen.

Da ich noch gar keine Vorstellung davon hatte, wie viel Plot zu wie viel Text werden würde, plottete ich erst mal ein Drittel des Hauptplots und ein paar der Nebenplots. Außer den Protagonisten habe ich noch acht weitere wichtige Charaktere und mehrere Nebenplots, das ganze Projekt wird eine Trilogie und daher wollte ich erst einmal ein Gefühl für die Menge bekommen, bevor ich die Nebenplots alle in den Hauptplot einflechte. Nach der ganzen Vorarbeit brauchte ich für das erste Plotten nur vier Tage und dann ging das Schreiben los.

In den ersten Wochen habe ich viele nützliche Funktionen in meinem Schreibprogramm entdeckt, die ich vorher nicht kannte aber die Übersicht doch erheblich erleichtern. Nach einem Monat hatte ich die ersten 25 000 Wörter und hatte damit in meiner Formatierung (DIN A5-Seiten und Blocksatz, damit es Buchseiten so ähnlich wie ohne richtiges Setzen möglich aussieht) 100 Seiten erreicht.
Meine ersten 100 Seiten Fließtext an einem Stück. =)

Ich merkte richtig, wie meine Figuren lebendig wurden und mir Dinge über sich erzählten, die ich vorher nicht wusste. Diese spontanen kreativen Eingebungen wirken fast ein bisschen berauschend! In dieser Zeit hatte ich gleichzeitig wieder ein Schreibseminar, was zwar auch Schreibzeit forderte, aber mir auch zusätzlichen Aufschwung gab.

Im Juni beanspruchte die Uni sehr viel meiner Zeit, sodass ich nur sehr langsam voran kam. Da haben sich auch die ersten Zweifel wieder eingeschlichen: Ist das kreativ, originell, spannend, abwechslungsreich genug? Wird das überhaupt jemals jemand lesen? Schreibe ich überhaupt gut genug? Aber diese Zweifel haben wir alle mal. Natürlich wirkt die Geschichte auf mich langweiliger als sie ist, wenn ich mich Monate lang damit beschäftige und sie in und auswendig kenne. Natürlich kommt mir meine Sprache banal vor, schließlich verwende ich sie täglich ganz selbstverständlich. Von anderen habe ich aber schon oft gesagt bekommen, dass ich eine ausdrucksstarke bildhafte schöne Sprache verwende und am ersten Entwurf wird sowieso noch so viel gefeilt, dass der innere Kritiker einfach mal die Klappe halten muss. Gleichzeitig gibt es auch Passagen von mir, die ich richtig richtig gut finde =) Und das sind keine einmaligen Glückstreffer, das hab ich erschaffen!
Nachdem ich den Rest des ersten Teils geplottet hatte und sich der Unistress ein wenig gelegt hatte, lief es wieder besser. Natürlich sind mir immer wieder neue Ideen gekommen, aber ich habe sie mir notiert, für später aufgehoben und weiter geschrieben.

Nach der Mitte begann es ein bisschen zäher zu werden. Ich hatte nun vier Monate geschrieben, war mir aber noch unschlüssig, ob das Finale des 1. Teils wirklich so ablaufen sollte, wie ich es geplottet hatte. Darüber habe ich eine ganze Weile nachgedacht und es auch ein paar Mal umgeplant, aber jetzt bin ich zufrieden.
Ich habe angefangen ganz offen darüber zu reden, dass ich schreibe und Autorin werden will und war wirklich positiv überrascht, wie viel Zuspruch ich bekommen habe. Niemand hat es abgewinkt oder mir einen Vortrag über „brotlose Kunst“ gehalten. Stattdessen haben sich alle mit mir über jede Seiten- oder Worthürde gefreut, immer mal wieder nachgefragt, wie es läuft, und mir gesagt, dass sie meine Begeisterung bewundern und ich es bestimmt schaffen werde, meinen Traum zu verwirklichen.

Im September lag mein Projekt leider wieder komplett auf Eis, da ich fünf Hausarbeiten schreiben musste. Aber bei den Noten, die ich dafür bekommen habe, hat sich das auch gelohnt =).
Seit ich im Oktober wieder angefangen habe zu schreiben, lief es leider wesentlich langsamer, was aber auch nicht anders zu erwarten war mit plötzlich sechs Studienfächern statt zwei. Und wie sagt man so schön, steter Tropfen höhlt den Stein und ich habe es geschafft, mein erster Entwurf ist fertig mit 157 763 Wörtern. =)

Für meinen ersten Entwurf meines ersten Projektes habe ich nun zwar fast ein Jahr gebraucht, aber es hat mich auch unglaublich weiter gebracht. Ich habe viel über mich gelernt, Erfahrungen gesammelt und ich weiß nun ganz sicher, dass mich nichts glücklicher macht, als zu schreiben.
Nun wird der erste Entwurf erst mal weggelegt, bevor ich in ein paar Wochen oder Monaten mit der Korrektur beginne.

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