Über Traumperlen

Wenn Muscheln Verletzungen erleiden, formen sich an dieser Stelle Perlen. Sie wachsen langsam, Schicht für Schicht.
Genauso entstehen Geschichten. Aus unseren Erfahrungen, Träumen und unserer Kreativität entstehen Ideen, die wir langsam, Wort für Wort, zu wundervollen Geschichten wachsen lassen.
Traumperlen sind solche Schätze, die kreative Köpfe uns allen geschenkt haben.

Die Literaturteestube „Traumperlen“ ist von einer leidenschaftlichen Leserin und Schreiberin für andere leidenschaftliche Leser.
Hier werde ich euch an meinem Weg zur Autorin und meinem Leben teilhaben lassen, regelmäßig Buchrezensionen veröffentlichen und den ein oder anderen Text veröffentlichen.

Diese wundervolle Beschreibung meiner virtuellen Literaturteestube samt Gedicht von ihrem Mann, hat die liebe Tsaphyre geschrieben. Ich finde diese Reise so schön, dass Tsaphyre und ihr Mann mir erlaubt haben, sie hier mit euch zu teilen:

„Präludisches Gemecker vom Tsaphyr

Ich floss wie eine Wolke nur
Über kollaboriertem Schreiben
Entlang einer Traumperlenschnur
Ließ ich mich träge treiben.

Der Blick erhascht den Fliederblog
Das Ohr hört fliederliche Lieder
Da lässt sich gern der Wolkenbock
Auf digitaler Wiese nieder.

Was dort aus eigner Fülle schwillt
Und klar aus kühler Quelle rinnt
Was dort aus tiefster Seele quillt
Höchste Empfehlung hier gewinnt.

 

Der Duft von Flieder hängt in der Luft, schwer, süß und sinnlich. Vor mir schlendert ein Paar den Kiesweg entlang, den die Sträucher mit ihren blauen Blütenfüllhörnern säumen. Die beiden sind ganz ineinander vertieft, gehen eng umschlungen, schauen sich verliebt in die Augen, küssen sich. Sie legt ihren Kopf auf seine Schulter, er lacht. Gemeinsam mit ihnen betrete ich ein kleines, weißes Haus. Es ist ein Literaturcafé. ‚Traumperlen‘ heißt es und ist natürlich nichts anderes als meine Vorstellung von Sandras Blog. Der Raum öffnet sich nach hinten in ein weites Rund. Durch die Fensterfront, die von der Decke bis zum Boden reicht und sich über den gesamten Bogen erstreckt, dringen die Strahlen der Frühlingssonne und tauchen das eher schlicht gehaltene, mit kleinen runden Tischen bestückte Café in ein klares, helles Licht. Einige Fenster stehen offen und lassen die weiche, noch etwas kühle Luft herein. Mich überrascht der Blick nach draußen, denn hier lädt uns nicht wie erwartet ein akkurat angelegter Park zum beschaulichen Spaziergang ein, sondern Büsche und Bäume drängen sich wild ineinander verschlungen bis zur Terrasse vor, fremdartige Blüten leuchten in intensiven Farben wie kleine Lampions der Fantasie und durch eine Lücke im Unterholz erahnt man die stille Oberfläche eines dunklen Weihers. Wer hätte gedacht, dass sich hier eine so geheimnisvolle Welt auftun würde? Ich habe sie bei meinem ersten Besuch auf dem Blog jedenfalls nicht gesehen, sondern erst bei genauerem Hinschauen entdeckt.
Das Café ist nicht besonders voll, aber die wenigen Gäste sind umso erstaunlicher. Es sind die Protagonisten aus den Romanen, die hier zur Ansicht ausliegen, und sie scheinen mir auf wunderliche Weise mit Sandras eigener inneren literarischen Welt in Verbindung zu stehen. Ich setze mich zu einer jungen Frau, die düster vor sich hinstarrt. Die Fliederblüten, die in einer Vase auf dem Tisch stehen, verbreiten ihren typischen Duft, aber mir erscheint er in diesem Moment besonders schwer, fast modrig. Die Frau wirft mir einen Blick zu, dessen Härte mich erschreckt. Sie hebt ihre Hand und berührt eine der vielen kleinen Blüten mit der Spitze ihres kleinen Fingers. Schlagartig beginnt sie zu welken, in wenigen Sekunden wird sie braun, dann grau, schrumpelt zusammen und fällt völlig vertrocknet ab. „Alles, was ich mit meiner Haut berühre, verliert unter Schmerzen seine Lebenskraft und muss letztendlich sterben.” Ihre Stimme klingt bitter. „Ich bin ein Monster, das allen nur den Tod bringt. Und doch kämpfe ich um das Überleben. Ich ringe darum, lebendig sein zu dürfen, lieben zu dürfen. Oft ist das ein harter Kampf. Aber ich habe Kraft gewonnen und ich gebe die Hoffnung auf Heilung nicht auf. Für mich sind Traumperlen Tränen, aus Schmerz geboren, in Leid gewachsen und verdichtet zur wertvollen Essenz meiner Erfahrungen. Sie sind so unendlich schön, denn trotz ihrer tiefen Traurigkeit beweisen sie, dass ein Wesen wie ich seinen Platz im Leben finden und seine Liebesblüten entfalten kann.” Ein kalter Luftzug weht vom Weiher herein und bringt den Geruch nach Zerfall, aber auch nach dunklem, feuchten Grün. Ich nicke der jungen Frau anerkennend zu und gehe weiter.
Vom nächsten Tisch schwebt mir das Parfum eines etwas leichteren, verträumteren Flieders entgegen. Die Aromen verändern sich, tanzen einen Wechselreigen aus entschlossenen, kraftvoll blumigen und verspielten, lieblichen Noten. Dort sitzen zwei 16-jährige Mädchen. Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Doch das eine ist eine Prinzessin und bewegt sich, als sei es gewohnt zu befehlen, das andere wirkt wie ein Mädchen aus ganz normalen, alltäglichen Verhältnissen. „Wir stammen aus parallelen Welten”, sagt die Prinzessin, „alles, was ich entscheide und tue, hat Einfluss auf den Verlauf ihres Lebens und umgekehrt.” „Es ist möglich, zwischen den Welten zu wechseln”, sagt die andere, „wir können von einer Geschichte in die nächste gehen und schwierige Lebenssituationen auf einer anderen Ebene angehen. Denn im Reich der Fantasie gibt es Wunder und Zauberkräfte, magische Wesen und besondere Fähigkeiten, die wir von unserem gespiegelten Ich lernen. Indem wir uns gemeinsam um unsere Probleme kümmern, erwächst uns daraus ein tieferes Wissen über das Leben und uns selbst, das sich in Traumperlen der Weisheit manifestiert.” „Und diese Traumperlen tragen Schönheit und Glück in unser Sein und beschenken uns mit Reichtum und Würde.” Während sie sprechen, schaue ich zum Fenster hinaus und sehe, wie sich die chaotisch ineinander verschlungenen Äste und Zweige zu immer wieder neuen, bedeutungsvollen Mustern formen.
Schließlich trete ich an den Tisch, an dem sich das Liebespaar niedergelassen hat. Der Flieder in der Vase empfängt mich mit seiner süßen, sinnlichen Seite und von den leuchtenden Blüten draußen strömt ein betörender Duft herein. Jetzt erst sehe ich, dass die junge Frau eher noch ein Mädchen ist. Für einen Moment bin ich schockiert, denn aus ihrem Rücken ist eine riesige Blüte gewachsen. Das wirkt auf mich wie eine kafkaeske Verwandlung, beunruhigend, ja verstörend. Aber zu meiner Verwunderung lächelt sie und ihre Wangen überzieht eine leichte Röte. „Ich bin gar kein Mensch”, sagt sie, „sondern eine Elfe. Manchmal geschehen mit dir seltsame Dinge, die du zunächst nicht verstehst. Erst mit der Zeit erkennst du, dass du deinem ureigensten Sein begegnest, das so anders ist, als all die Leute um dich herum und auch du selbst immer geglaubt haben. Doch je mehr du du selbst bist, desto mehr Kraft gewinnst du und desto intensiver kannst du leben und lieben. Die Liebe ist ein starkes Gefühl. Sie vereint Schönheit, Würde und Glück mit dem sehnsuchtsvollen Schmerz tiefster Lust. Darum sind für mich Traumperlen Ausdruck von Liebe und Sinnlichkeit.” Sie schenkt ihrem Liebsten einen glühenden Kuss.
Ich gehe auf die Terrasse hinaus, atme die dunkle Luft vom Weiher, betrachte die Muster und Blüten im Geäst, fühle die schon wärmende Frühlingssonne auf meiner Haut und lasse mich vom Duft der Fantasie und Liebe berauschen. Ich weiß nicht, ob ein Teil Sandras innerer Welten wirklich so ist, wie ich es beim Lesen ihres Blogs erlebt habe. Aber vielleicht kann ich eines Tages eines ihrer eigenen Werke lesen und das Wirken ihrer Magie zwischen den Zeilen erleben.“
Text geschrieben von Tsaphyre Ziegenfuß.

Ich finde Tsaphyre hat ein wundervolles Talent ihre Wörter zu formen. Ich liebe es ihre Texte zu lesen. Gleichzeitig finde ich es sehr beeindruckend, wie nah ihre Vorstellung beim Lesen meines Blog an meiner beim Schreiben ist. Den erwarteten „akkurat angelegten Park”, stelle ich mir tatsächlich in der Mitte des Platzes vor, von dem aus man meine Teestube betritt. Aber von der Terasse aus ist ein wesentlich exotischerer Park gefüllt mit vielen fantastischen Blüten in meiner Vorstellung zu erreichen, einschließlich einem Weiher =)

2 Gedanken zu “Über Traumperlen

  1. Hi,
    ich bin gerade zufällig durch die Kreativschreibstube von Sofian auf deine Traumperlen hier gestoßen und möchte nicht gehen, ohne gesagt zu haben:

    Die Beschreibung finde ich super schön, sehr tolles ‚Bild‘, das du da beschreibst!

    Liebe Grüße
    Samira-Jessica

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s